Reinhold Andert brillierte mit Satiere im Königshainer "Firstenstein"(SZ)
Günter Guillaume berät den Bundesnachrichtendienst, Kart-Eduard von Schnitzler wird Chefredakteur der Bild. Erich Honecker verspricht auf dem Domplatz von Speyer, den maroden Kapitalismus durch blühende Landschaften zu ersetzen. Theo Waigel gründet mit dem elterlichen Bauernhof im bayrischen Vilshofen eine LPG und Franz Beckenbauer soll als Trainer zu Fortschritt Bischofferode wechseln. 15 Jahre nach der politischen Wende betrachtete der Satiriker Reinhold Andert am Freitag im Königshainer "Firstenstein" die deutsche Einheit durch die Umkehrlinse, zeigte das reale Ende der DDR in irrealer westlicher Spiegelung. Hinter dem Possenspiel steckte trotz aller Amüsanz ein ernster Kern. Die Umkehr der Ereignisse, die vertauschte Perspektive "Ost siegt über West", ließ manche Situation der Wende so absurd erscheinen, dass sich natürlich die Frage stellte, ob nicht doch manches hätte anders gemacht werden können. Mit seinen teils bissigen Texten und Liedern traf Reinhold Andert den Geschmack des zahlreich erschienenen Publikums, die eigentlich seinen Kollegen Jochen Petersdorf erwartet hatten. Der musste aber kurzfristig aus Krankheitsgründen absogen, so dass Andert die mittlerweile sehr beliebte Königshainer Veranstaltungsreihe rettete. "Ein sehr guter Ersatz", war sich das Publikum nachher einig und bereute nicht, "das Revanchistentreffen" besucht zu haben. Und spätestens bei der Liebeserklärung an den guten alten Trabi war alle Skepsis vorüber. Zum Schluss gab es dann noch eine Erinnerung an die Schulzeit. Reinhold Andert stimmte das aus seiner Feder stammende Lied "So ist ein Pionier" an und der ganze Saal sang mit.
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